Narsaq - Die Ebene

Narsaq - Allgemeines

Die Gegend um Narsaq gilt als die fruchtbarste in ganz Grönland. Narsaq bedeutet übersetzt "die Ebene". Die Stadt mit ihren rund 1.700 Einwohnern liegt auf einer Halbinsel an den Fjorden Tunulliarfik und Nordre Sermilik. Sie ist umgeben von großen, grünen Ebenen, während auf den Fjorden fast immer mächtige Eisberge treiben. Geographisch liegt der Ort auf gleicher Breite wie Oslo und es kann im Sommer für grönländische Verhältnisse recht warm werden - Temperaturen von mehr als 20°C werden immer wieder gemessen.
Die Gründung von Narsaq geht auf das Jahr 1830 zurück, doch erst nach dem Bau einer Fischfabrik in den 1950er Jahren begann der Ort auf seine heutige Größe anzuwachsen. Aufgrund der fruchtbaren Ebenen um die Stadt spielt die Schafzucht heute eine gewisse Rolle und der einzige Schlachthof Grönlands bietet Arbeitsplätze für die Einheimischen.
Am Hafen stehen mehrere alte Häuser aus der Kolonialzeit. Sie werden wie in fast allen anderen Orten Grönlands als Museumsgebäude genutzt. Auf den Dächern der Häuser sind noch heute Nummern erkennbar, die amerikanischen Piloten als Orientierungsmarken beim Anflug auf die frühere Militärbasis dienten. Im Hauptgebäude des Museums wird die Kulturgeschichte der Gegend in einer Ausstellung aufgegriffen, das Haus B61 beherbergt eine Druckerei, in der die erste landesweite Zeitung gedruckt wurde. Im Dach ist ein Laden aus der Zeit um 1940 eingerichtet. Interesant ist auch der direkte Vergleich einer Wohnung aus den 1950er Jahren im Haus B59 mit dem rekonstruierten Torfhaus aus der gleichen Zeit. Im alten Speckhaus wird eine Mineraliensammlung mit Funden aus der näheren Umgebung gezeigt. Die Gegend um Narsaq ist als mineralienreich bekannt, es werden auch sehr seltene Mineralien wie z.B. Tuttupit gefunden. Die Kirche von Narsaq wurde 1927 gebaut und 1981 erweitert. Die Innenfarben Gelb, Weiß und Blau symbolisieren die Sonne, das Eis und das Meer. Neben dem Friedhof liegt das Haus von Henrik Lund, aus dessen Feder der Text der grönländischen Nationalhymne stammt. Als Besonderheit ist auch noch eine Brauerei erwähnenswert. Seit 2006 wird im Greenland Brewhouse mit Gletscherwasser Bier gebraut und vor allem nach Dänemark exportiert.

Igaliku - Auf den Spuren der Wikinger

Die Geschichte des kleinen Dorfes Igaliku, das etwa 30km von Narsaq entfernt liegt, reicht weit in die Vergangenheit zurück. Ein Begleiter von Erik dem Roten, der als erster Wikinger nach Grönland kam, ließ sich hier nieder. Die Gegend ist fruchtbar und wie schon vor über 1.000 Jahren leben die Menschen vor allem von der Schafzucht. Wiesen und Kartoffelfelder umgeben die Häuser, die teilweise aus rotem Sandstein gemauert sind, der in den nahen Bergen zu finden ist. Der heutige Ort wurde 1782 gegründet, aber zahlreiche und teilweise gut erhaltene Ruinen aus der Wikingerzeit zeugen von der langen Siedlungsgeschichte.
Im Jahr 1126 wurde der damals Gardar genannte Ort Bischofssitz von Grönland. Die Ruine der Domkirche St. Nikolaus aus dem frühen 13. Jahrhundert zeugt vom Reichtum der ehemaligen Wikingersiedlung. Mit einer Grundfläche von mehr als 400 Quadratmetern war die Kirche damals eine der größten in ganz Skandinavien. Insgesamt sind in Igaliku mehr als 40 Ruinen aus der Wikingerzeit nachgewiesen. Warum die Wikingersiedlungen im 15. Jahrhundert aufgegeben wurden, ist bis heute nicht sicher.

Narsarsuaq und Qassiarsuk

Der nur 160 Einwohner zählende Ort Narsarsuaq gehört zur Gemeinde Narsaq. Seine Gründung im Jahr 1941 verdankt der Ort dem Bau einer amerikanische Militärbasis. Seit 1959 wird der zweitgrößte Flughafen des Landes für zivile Zwecke genutzt. Auch die grönländische Ice Patrol, die Informationen über die aktuelle Eislage für die Schiffahrt sammelt, ist hier stationiert. Im Blue Ice Cafe informiert eine Ausstellung über die Geschichte der Militärbasis.
Auf der gegenüberliegenden Fjordseite wurde 1924 vom Schafzüchter Otto Frederiksen die Siedlung Qassiarsuk gegründet. Sie hat sich inzwischen zur größten Schafzucht Grönlands entwickelt. Schon im Jahr 985 ließ sich hier Erik der Rote nieder und baute den Hof Brattahlíð. Nahe der heutigen Kirche sind die Überreste der Thjodhildskirche aus der Wikingerzeit erhalten, allerdings beeindrucken die Rekonstruktionen von Eriks Langhaus und Thjodhilds Kirche aus dem Jahr 2000 mehr.