Ammassalik - Der Platz mit den Lodden

Ammassalik - Allgemeines

Blick über Ammassalik
Blick über Ammassalik
Alte Kirche
Alte Kirche
Touristinfo Ammassalik
Touristinfo Ammassalik
Eisberg vor Ammassalik
Eisberg vor Ammassalik

Ammassalik, die größte Ortschaft Ostgrönlands, wurde 1894 von den Dänen gegründet. Ziel war es, den Gesundheitszustand der wenigen noch in der Gegend lebenden Ureinwohner zu verbessern. Die ersten Inuit wanderten bereits vor etwa 4.500 Jahren ein und gehörten der Saqqaqkultur an. Weitere Einwanderungswellen gab es um 600 v. Chr. sowie im 14. und 15. Jahrhundert. Die mit der Ortsgründung verfolgten Pläne der Dänen gingen auf und bereits 1925 war die Gegend so dicht bevölkert, das eine neue Siedlung weiter im Norden geründet wurde: Ittoqqortoormiit.
Heute zählt Ammassalik 1.800 Einwohner. Ammassalik ist die ostgrönländische Schreibweise für den Ortsnamen. Übersetzt bedeutet Ammassalik "der Platz mit den Lodden". Die Lodde ist eine Fischart, die in früheren Zeiten oft das Überleben der Bevölkerung während der Wintermonate sicherte und die Gewässer der Gegend waren früher sehr reich an Lodde. Der Ort wurde in Tasiilaq (See) umbenannt, als ein Mann starb, der ebenfalls Ammassalik hieß. Der Glaube der Inuit verbot es, den Namen eines Verstorbenen auszusprechen. Auch die Fischart wurde deshalb in Kersakkat umbenannt.
Ammassalik liegt malerisch an der Westseite des Ammassalikfjordes, der weit ins Land hinein reicht. Neben den bunten Holzhäusern, in denen die Einheimischen wohnen, gibt es auch einige moderne Betongebäude. Sie beherbergen u.a. die Gemeindeverwaltung und die Schule. Auffällig ist auch die alte Kirche nahe des Hafens. Sie wurde 1908 gebaut und beherbergt seit der Fertigstellung der neuen Kirche im Jahr 1985 das Heimatmuseum. Direkt neben der alten Kirche befindet sich in einem traditionellen Sodenhaus das Kartoffellager. Grassodenhäuser dieser Größe dienten früher während der Wintermonate als Winterquartier für 15 bis 25 Menschen. Eine Besonderheit in der neuen Kirche ist das Taufbecken. Es wurde aus Pinienholz angefertigt, das an der Südküste Grönlands gefunden wurde. Neben der neuen Kirche erinnert ein Gedankstein am Aussichtspunkt an die legändäre Frauenbootexpedition von Gustav Holm im Jahr 1884.
Eine kleine Wanderung ist das Blomsterdalen (Blumental) wert. Der Weg beginnt nahe des Hafens und führt nach Westen vorbei am Friedhof an einem Bach entlang. Während der Sommermonate zeigt sich die Vegetation in einer erstaunlichen Vielfalt. Entlang einiger Seeen kann man die Wanderung fast beliebig lange fortsetzen. Deutlich anspruchsvoller ist eine Wanderung auf den 680m hohen Hausberg Qaqqartivakajik. Sie sollte aufgrund des schwierigen Geländes mit steilen Passagen und Geröll nur bei stabiler Wetterlage unternommen werden. Vom Gipfel des Berges bietet sich eine fantastische Aussicht auf das offene Meer und die treibenden Eisberge des Ostgrönlandstroms.

Das Museum Ammassalik

Perlenstickerei
Perlenstickerei
Traditionelle Trommel
Traditionelle Trommel
Modell eines Frauenbootes
Modell eines Frauenbootes
Masken
Masken

Die Bauteile für die erste Kirche von Ammassalik wurden 1903 nach Grönland gebracht, bis zur Fertigstellung und Einweihung der Kirche vergingen aber 5 Jahre. Das Gebäude beherbergte auch die Schule des Ortes. Aufgrund der exponierten Lage befürchtete man, die Kirche könne bei Sturm weggeblasen werden. Deshalb wurde sie mit schweren Ketten am Fels gesichert. Im Jahr 1954 wurde die Kirche erweitert, seit 1990 wird sie als Museumsgebäude genutzt. Im Museum von Ammassalik findet sich eine Vielzahl alter Kulturschätze aus dem ganzen Bezirk.
Besonders auffällig ist im Museum ein Kajak aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Viele tausend Jahre wurden derartige Kajaks als Transportmittel genutzt. Man spannte über ein Gerüst aus Holz speziell behandeltes Robbenleder, das regelmäßig mit Robbenspeck eingeschmiert wurde, um es wasserdicht zu halten. Kajaks waren grundsätzlich Einzelanfertigungen, die speziell für Ihren Besitzer angepasst wurden, um eine möglichst stabile Fahrt zu ermöglichen.
In einem Schaukasten ist der älteste bekannte Tupilak aus dem Jahr 1893 ausgestellt. Tupilaks wurden ursprünglich aus verschiedenen organischen Materialien zusammen gesetzt und sollten mit ihrer Zauberkraft Feinde des Erschaffers töten. Um den Europäern eine bessere Vorstellung zu geben, wurden Tupilaks dann aus Holz und später aus Rentiergeweih, Speckstein und ähnlichen Materialien geschnitzt.
Ein weiterer Schaukasten zeigt das Modell eines Umiaq (Frauenboot). Frauenboote wurden von den Frauen eines Wohnplatzes gerudert, wenn die Familie von den Sommer- zu den Winterwohnplätzen umzog. Die Boote wurden zum Transport des gesamten Hausstandes benutzt.
Holzmasken waren vor allem in Ostgrönland weit verbreitet. Es werden drei Maskentypen unterschieden. Tanzmasken wurden bei Zeremonien verschiedenster Art benutzt. Weit verbreitet waren Theatermasken, die zur Unterhaltung genutzt wurden. Die Hausmasken repräsentierten einen Hausgeist und sollten die Bewohner eines Hauses beschützen. Es sind nur wenige Masken aus der Zeit vor 1900 erhalten, vermutlich wegen der engen Bindung zwischen Maske und Besitzer - viele Masken folgten ihrem Besitzer ins Grab.
Zahlreiche weitere Schaukästen, Bilder und Ausstellungsstücke vermitteln einen guten Eindruck von der Kulturgeschichte Ostgrönlands.

Wanderung im Blumental

Blick ins Blumental
Blick ins Blumental
Wollgras
Wollgras
Weidenröschen
Weidenröschen
Glockenblumen
Glockenblumen
Habichtskraut
Habichtskraut
Rosenwurz
Rosenwurz
Pilze
Pilze

Die Wanderung ins Tal der Blumen beginnt am kleinen Bach, der in den Hafen mündet. Entlang des Baches verläuft ein Weg in Richtung des Friedhofes. Links des Weges gibt es an vielen Stellen Wollgras (Eriophorum scheuchzeri). Es steht oft so dicht, daß man es aus der Ferne für Schneeflecken halten könnte. Unmittelbar entlang des Weges ist auch immer wieder die blaugrüne Weide (Salix glauca) und die Krautweide (Salix herbacea) zu finden. Größere Flächen werden von der zwittrige Krähenbeere (Empetrum hermaphroditum) bewachsen.
Die dicken, fleischigen Blätter des ebenfalls recht häufigen Rosenwurz (Rhodiola rosea) sind eßbar. Sie werden in der traditionellen grönländischen Küche verwendet. Der Rosenwurz färbt sich im Herbst leuchtend gelborange.
Unmittelbar am Wegrand ist immer wieder das Blutauge (Comarum palustre) und der Alpenhelm (Bartsia alpina) zu sehen, der lebendgebärende Knöterich (Polygonum viviparum) ist fast schon allgegenwärtig. Der nordische Augentrost wurde, wie sein Name schon andeutet, in der traditionellen Medizin zur Behandlung von Augenentzündungen angewendet.
Auf feuchtem Boden entlang des Baches wächst an vielen Stellen Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense). Er erinnert an Christbäume im Miniformat.
Zwergbirken (Betula nana) sind als Bodendecker verbreitet.
Viele Pflanzenarten treten in den letzten Jahren häufiger auf, als früher. Experten sehen darin bereits eine Folge der auch in Grönland meßbaren Klimaerwärmung. Besonders auffällig ist das häufigere Auftreten von Wintergrün (Pyrola minor) u.a. auch unmittelbat vor dem Friedhof von Ammassalik. Nicht zu übersehen ist das leuchtend violett gefärbte arktische Weidenröschen (Epilobium latifolium), die Nationalblume Grönlands. Etwas später im Jahr blüht das schmalblättrige Weidenröschen (Epilobium angustifolium). Es kommt nicht nur häufiger als in früheren Jahren vor, die Pflanzen werden auch deutlich größer. Inzwischen sind die Weidenröschen im Friedhof und rundherum verbreitet. Im Wassergraben zwischen Friedhof und Weg gedeiht der Stern-Steinbrech (Saxifraga stellaris) prächtig.
Die Hänge rechts des Weges zum Friedhof sind dicht mit Alpen-Silbermantel (Alchemilla alpina) bewachsen, an kleinen Rinnsalen steht der größere knäuelige Frauenmantel (Alchemilla glomerulans).
Vor allem während der Mittsommerzeit blühen zahlreiche weitere Pflanzen. Kleinwüchsig und violett blühend ist der frühblühende Thymian (Thymus praecox). Sehr weit verbreitet und blau blühend sind Ehrenpreis (Veronica), Glockenblume (Campanula) und (Harebell) and Blauheide (Phyllodoce). Etwas seltener ist das Veilchen (Viola).
Die Hänge hinter dem Friedhof werden von gelben Blüten überzogen. Hahnenfußgewächse (Ranunculus), Fingerkraut (Potentilla) und vor allem Habichtskrautarten (Hieracium) sehen besonders im weichen Abendlicht malerisch aus. Weiß leuchten die Blüten von Katzenpfötchen (Antennaria), Ruhrkraut (Gnaphalium), Simsenlilie (Tofieldia) und verschiedenen Steinbrecharten (Saxifraga). Auch Berufkraut (Erigeron), Wiesenraute (Thalictrum), Gelbling (Sibbaldia) und Fetthenne (Sedum) gedeihen häufig auf den Flächen hinter dem Friedhof. An Felsen fallen der Wimpernfarn (Oodsia) und der Blasenfarn (Cystopteris) auf.
Setzt man die Wanderung auf dem gut erkennbaren Fußweg entlang des Baches fort, gelangt man an mehrere kleine Seen. An feuchten Stellen wächst das blauviolett blühende Fettkraut (Pinguicula). Mit seinen klebrigen Blättern fängt es Insekten und verdaut sie. An sonnigen Tagen steht der Scheeenzian (Gentiana nivalis) in voller Blüte. Die kleinen stahlblauen Blüten am Ufer der Seen und kleiner Wasserläufe sind nicht zu übersehen. Sobald die Sonne sich allerdings hinter einer Wolke versteckt, schließen sich die Blüten und die Pflanzen werden leicht übersehen.
Wer den Weg bis zum dritten See fortsetzt, kann nach rechts über den Hang gehen und auf einer Schotterpiste zurück in den Ort laufen. Mit etwas Glück findet man am Weg das nordische Schaumkraut (Cardamine bellidifolia), das direkt aus Spalten im Geröll hervorwächst. Recht weit verbreitet auf den Gesteinsschuttflächen ist der Gletscherhahnenfuß (Ranunculus glacialis). Er gedeiht bis weit in den Norden, ist aber in Westgrönland nicht zu finden.
Folgt man der Straße weiter in Richtung Ortschaft, findet man auf trockenen Flächen links der Straße den Alpen-Flachbärlapp (Diphasiastrum alpinum) und Wacholder (Juniperus communis). Wacholder wurde von den Grönländern gelegentlich als einheimischer Christbaum verwendet.
Direkt am Meeresufer findet man bei Niedrigwasser recht häufig die Salzmiere (Honckenya peploides). Ebenfalls am Ufer aber eher selten entdeckt man das Blauglöckchen (Mertensia maritima).

Historische Gebäude in Ammassalik

Das Winterhaus war das erste Haus der neuen Kolonie Ammassalik. Es wurde im Jahr 1894 errichtet und diente der Kolonialmannschaft als Unterkunft während der Wintermonate. Das Gebäude ist heute in einem desolaten Zustand, es soll aber renoviert werden. In dem Haus befanden sich im Laufe der Jahre ein Krankenhaus, verschiedene Geschäfte, die Volkshochschule und Büros. Derzeit steht es leer. Obwohl das Gebäude kein architektonisches Juwel ist, hat es historische Bedeutung. Es ist das einzige noch erhaltene koloniale Winterhaus in ganz Grönland, obwohl es nur als Provisorium für den ersten Winter gedacht war.
Der erste Pfarrer kam ebenfalls 1894 nach Ammassalik. Er brachte Baumaterial für ein Haus mit, es wurde aber erst 1895 errichtet. Pfarrer Rüttel war ein begeisterter Fotograf und deshalb gibt es mehrere Aufnahmen des Gebäudes in seiner ursprünglichen Form. Das Haus wurde 1977 umgebaut und renoviert. Es dient seitdem als Wohnung für den obersten Verwaltungsbeamten von Ammassalik.
Im Sommer 1895 wurde das Haus des Kaufmanns Johan Petersen errichtet. Wie die anderen Gebäude wurde es in Dänemark vorgefertigt und in Grönland zusammengebaut. Im Jahr 1928 wurde ein neues größeres Haus für den Kolonialverwalter errichtet und das alte Gebäude wurde als Gästehaus und Krankenhaus genutzt. Nach einem weiteren Umbau beherbergte es ab 1952 eine Tuberkuloseklinik und später eine Arztwohnung.